Die Reifen-Verwerter

Tobias Laub, Bernd Kropfgans, Yediyar Isik; Copyright: Krühler

Auf Besuch bei der Firma Reifen Recycling Rhede, die aus alten Pneus neue Rohstoffe herstellt.

BBV-SERIE: STIPPVISITE Mit Bernd Kropfgans vom Team „Arbeitgeberservice” der Arbeitsagentur
bei der Firma Reifen Recycling Rhede, die aus alten Pneus neue Rohstoffe herstellt.
QUELLE: VON JOCHEN KRÜHLER FÜR DÜLMENER ZEITUNG ONLINE 1/12/2006

RHEDE
Tobias Laub und Yediyar Isik sind Idealisten. Das geben die beiden Mitt-Dreißiger gerne zu. Sie wollen die Umwelt sauberer machen, indem sie Altreifen wiederverwertbar machen - so lautet ihre Grundidee. Und mit dieser Idee haben sich Laub und Isik zu zwei innovativen Unternehmern entwickelt. Seit zwei Jahren führen sie im Gewerbegebiet am Butenpaß unter dem Namen „Reifen Recycling Rhede” (RRR) eine Firma mit 16 Mitarbeitern, die aus alten Autoreifen neue Rohstoffe herstellt.

Mit dieser Idee wollen sie ihre Vision einer saubereren Umwelt umsetzen, erklären sie im Gespräch mit Bernd Kropfgans vom Team „Arbeitgeberservice” der Bocholter Arbeitsagentur. Laub und Isik schreddern Altreifen und stellen Granulate her, indem sie die Reifen in ihre drei wesentlichen Bestandteile trennen: Gummi, Stahl und Textil. Doch bis es so weit war, galt es für die beiden Unternehmer so manchen Kampf aufzunehmen: gegen Lobbyisten, gegen mangelnde Unterstützung vom Staat und gegen unkooperative Reifenhändler, von denen sie im Gespräch mit Bernd Kropfgans berichten.

600 000 Tonnen Altreifen würden in Deutschland pro Jahr verbrannt, erklärt Tobias Laub, Geschäftsführer von RRR. „Das kann nicht sein”, dachte sich der Reifenhändler vor sechs Jahren. „Wir haben dann die Köpfe zusammengesteckt und überlegt, was für ein Problem dahinter steht.” Viele Autofahrer wüssten einfach nicht, was mit ihren alten Reifen passiert, wenn sie sie beim Händler abgeben, ergänzt Yediyar Isik, der als Gesellschafter bei RRR fungiert. Käufer und Händler sollten aufgeklärt werden, dass Altreifen keineswegs verbrannt werden müssten.

Der Start als Recycling-Unternehmen sei nicht einfach gewesen, berichtet Isik. In der ganzen Welt hätten sie Informationen gesammelt, wie die Reifen granuliert werden können und welche Absatzmärkte es für die gewonnenen Rohstoffe gibt. Eine staatliche Unterstützung für ihre Geschäftsidee hätten sie nicht bekommen. Der Staat gehe davon aus, dass die Verbrennung von Altreifen bereits Recycling sei, meint Tobias Laub. „Recyclen heißt für mich jedoch: Stoffliche Verwertung.”

Gummi, Stahl und Textil gewinnt RRR als einziger Reifen-Recycler in NRW aus den Altreifen - nur durch Granulierung, ohne etwas zu verbrennen. Die Granulate verkauft die Firma an Unternehmen, die daraus Sportplatzbeläge, Schuhsohlen oder Fallschutzmatten herstellen. Pläne gebe es, das Gummi für neuartige Asphaltbeläge im Straßenbau einzusetzen. „Unsere Auftragsbücher sind voll”, meint Isik. Das einzige woran es dem Unternehmen mangele, seien Altreifen. 20 000 Tonnen verarbeite RRR pro Jahr. Isik: „Bei insgesamt 600 000 Tonnen gibt´s für uns noch genug Potenzial.”

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